Noldes Stiftung Seebüll

Ein Fest der Farben zum 150. Geburtstag Emil Noldes – zu Besuch bei dem berühmten Maler in Seebüll

Seit 1957 fin­den im his­to­ri­schen Wohn- und Ate­lier­haus von Emil Nol­de jähr­li­ch wech­seln­de Aus­stel­lun­gen statt. Zum Jubi­lä­um 2017 wer­den zum The­ma „150 Jah­re Emil Nol­de – Meis­ter­wer­ke“ 136 Expo­na­ten aus den unter­schied­lichs­ten Werk­be­rei­chen und Schaf­fens­pha­sen des Künst­lers zur Schau gestellt – ein fas­zi­nie­ren­des Erleb­nis inmit­ten ursprüng­li­cher nord­frie­si­scher Idyl­le. 19 die­ser Bil­der waren zuvor noch nie in See­büll zu sehen und machen einen Besu­ch vor Ort selbst für Ken­ner Nol­des zu einer Ent­de­ckungs­rei­se.

Das Leben Nol­des wird in einer bio­gra­phi­schen Aus­stel­lung und einem Film doku­men­tiert und mit vie­len aus­ge­stell­ten Ori­gi­nal-Expo­na­ten, hand­schrift­li­chen Brie­fen, Fotos sowie klei­nen Beson­der­hei­ten, wie etwa dem altem Lieb­lings­hut des Künst­lers, ver­an­schau­licht.

Nolde Haus und Garten

Nol­de Haus und Gar­ten II, -® Nol­de Stif­tung See­büll, Foto­graf Hel­mut Kun­de

Das Nolde­haus, ein roter Back­stein­bau im Bau­haus­stil, steht land­schafts­über­bli­ckend auf einer klei­nen Warft, zu deren Füßen sich eine far­ben­fro­he Gar­ten­an­la­ge als Gegen­stück zu der ansons­ten eher kar­gen Marsch­land­schaft anschließt. Die­ser Gar­ten war das per­sön­li­ches Para­dies Emil Nol­des. Wie auch das Wohn­haus hat er ihn selbst ent­wor­fen und bis ins klein­s­te Detail geplant. Die Wege des Gar­tens ließ er in der Form der Initia­len von sich und sei­ner Frau Ada anle­gen, ein „A“ und ein „E“, als Zei­chen innigs­ter Ver­bun­den­heit. Vie­le der Blu­men und Gewäch­se sowie der Bli­ck in die Wei­te der Land­schaft fin­den sich denn auch wie­der in den Wer­ken Nol­des. Und gera­de die­ses Wech­sel­spiel von Kunst und Natur machen den Auf­ent­halt in See­büll zu etwas wirk­li­ch Beson­de­rem.

Durch meter­ho­he Stau­den, duf­ten­de Sträu­cher und einem Meer ver­schie­dens­ter Blü­ten geht der Besu­cher hin­auf zum Muse­um. Im Erd­ge­schoss des Hau­ses geben die Fens­ter einen Bli­ck in die Wohn­räu­me der Nol­des. Alles wur­de so belas­sen wie der Maler es ein­st ein­ge-rich­tet hat­te, und es scheint fast so, als kön­ne er jeden Moment durch eine der Türen tre­ten. Wer sich jetzt dem Künst­ler immer noch nicht nahe fühlt, wird spä­tes­tens im Bil­der­saal vom Zau­ber sei­ner Wer­ke berührt. Tosen­des Blau, vibrie­ren­des Weiß, glü­hen­des Rot und strah­len­des Gelb — die Bil­der Emil Nol­des fes­seln den Betrach­ter durch ihre Inten­si­tät, mit Bild­ge­walt und Tie­fe ent­füh­ren sie ihn in eine ganz beson­de­re Welt. Durch eine expres­si­ve Stei­ge­rung des Kolo­rits ent­deck­te der Künst­ler das Eigen­le­ben der Far­be, so dass die­se letzt­li­ch zu sei­nem Aus­drucks­mit­tel wur­de. Er selbst war von die­ser sei­ner Ent­wick­lung begeis­tert: „Die Far­ben waren mir ein Glück, es war als ob sie mei­ne Hän­de lieb­ten“.

Nol­des Werk besticht auch heu­te und immer wie­der durch eine auf­fal­lend gro­ße Band­brei­te und über­ra­schen­de Viel­falt. So fin­den sich die unter­schied­lichs­ten Moti­ve in gro­ßer Har­mo­nie neben­ein­an­der, ohne sich dabei etwas zu neh­men. Dabei üben von je her die Blu­men-dar­stel­lun­gen Nol­des einen beson­de­ren Reiz aus, wir­ken sie doch, als hät­te man den eben durch­schrit­te­nen Gar­ten Stück für Stück auf eine Lein­wand gebannt. Die aus­ge­stell­ten Farb­pa­let­ten, Pin­sel und Farb­töp­fe Nol­des unter­strei­chen gera­de­zu die­sen Ein­druck und das Bild des im Gar­ten sit­zen­den und arbei­ten­den Künst­lers.

Die Kabi­net­te der Aus­stel­lung sind den Aqua­rel­len und der Druck­gra­phik von Nol­de gewid­met. Die „Unge­mal­ten Bil­der“ ent­stan­den wäh­rend Nol­des Berufs­ver­bot und dien­ten zum Teil als Vor­la­ge für sei­ne spä­te­ren Gemäl­de. Der auf­merk­sa­me Besu­cher wird man­chem Aqua­rell das pas­sen­de Gemäl­de im Bil­der­saal zuord­nen kön­nen und Ver­bin­dun­gen ent­de­cken. Eine wich­ti­ge Rol­le nimmt die Far­be auch bei den Aqua­rel­len der Land­schaf­ten und Mee­re ein. Mit gänz­li­ch durch­näss­tem Papier, ließ der Künst­ler der Far­be buch­stäb­li­ch frei­en Lauf, sah dar­in ent­ste­hen­de Boo­te auf See oder eben Höfe inmit­ten der Marsch­land­schaft und form­te sie im Anschluss mit kla­ren Stri­chen aus der far­bi­gen Melan­ge zu traum­haft schö­nen Impres­sio­nen.

Die freie Gestal­tung aus dem Inners­ten her­aus ist ein wich­ti­ger Aspekt der reli­giö­sen Wer­ke, wel­che im ehe­ma­li­gen Ate­lier des Künst­lers zu fin­den sind. So woll­te Nol­de kei­ne Bil­der zur Bibel erschaf­fen, viel mehr ver­ar­bei­te­te er dar­in kind­li­ch reli­giö­se Ein­drü­cke, die den Künst­ler so sehr beschäf­tig­ten, dass die Bil­der förm­li­ch aus ihm her­aus­ström­ten: „Sie wir­bel­ten in mei­ner Vor­stel­lung immer­zu vor mir hoch, bis lan­ge, lan­ge dana­ch der nun erwach­se­ne Men­sch und Künst­ler sie, wie in traum­haf­ter Ein­ge­bung mal­te und mal­te“. Das neun­tei­li­ge Werk „Das Leben Chris­ti“ aus die­sem Zyklus macht den vir­tuo­sen Umgang des Künst­lers mit dem Medi­um Far­be noch ein­mal beson­ders deut­li­ch. Durch sie wer­den Gefüh­le wie Wut, Trau­er, Ver­blüf­fung, Freu­de und Zusam­men­ge­hö­rig­keit aus­ge­drückt und poten­ziert, so dass der Besu­cher die Far­ben förm­li­ch lesen kann.

Besucher vor Seebüllchen

Besu­cher vor See­büll­chen, -® Nol­de Stif­tung See­büll, Foto­graf Dirk Dun­kel­berg

Die Aus­stel­lung zeigt so einen Quer­schnitt durch das Leben und Schaf­fen des Künst­lers, sie bie­tet viel zu ent­de­cken und lässt man­ches Werk in neu­em Licht erschei­nen.

Die Freu­de an den Fen­nen mit ihren Tie­ren hat­ten wir, und wir lieb­ten ihr lus­ti­ges Leben, unge­fes­selt auf grü­nem, fla­chen Land“ so Emil Nol­de. Die­se vom Künst­ler beschrie­be­nen Rei­ze der Land­schaft las­sen sich bei­spiels­wei­se bei einem Spa­zier­gang zum nah­ge­le­ge­nen Hüll­toft Tief erle­ben, wie auch bei einem Besu­ch des Cafés der Stif­tung. Hier kann man den Tag aus­klin­gen las­sen und dabei den­sel­ben Bli­ck auf die Wei­den genie­ßen, wie der Maler ihn ein­st hat­te.